
Beim Stadtfest Anfang Juli war der Informationsstand des Verschönerungsvereins Bad Wörishofen nicht zu übersehen. Das Beitragsbild zeigt (von links) Michael Scharpf, den langjährigen Vorstand des Verschönerungsvereins und Frank Meinert, den Initiator des Kneippstadtblogs vor dem Stand des Verschönerungsvereins in der Wörishofener Fußgängerzone.
Der Verschönerungsverein wurde 1889 gegründet – also noch zu Lebzeiten von Pfarrer Sebastian Kneipp. Das war kein Zufall. Damals entwickelte sich das beschauliche Bauerndorf Wörishofen rasant zum Kurort. Immer mehr Menschen reisten an, um sich von Kneipp behandeln zu lassen. Aus Bauern wurden Gastwirte, Pensionen entstanden, Straßen mussten ausgebaut und Spazierwege angelegt werden. Sebastian Kneipp erkannte früh, dass eine erfolgreiche Kur weit mehr braucht als Wasseranwendungen. Er wusste, wie wichtig Bewegung an der frischen Luft, Naturerlebnisse und gepflegte Wege für die Gesundheit der Gäste waren. Deshalb unterstützte er die Gründung des Vereins und wurde sogar zu dessen Ehrenvorsitzendem auf Lebenszeit ernannt.
Ein Blick in die Vereinsgeschichte zeigt, vor welchen Aufgaben die damaligen Mitglieder standen. Wege mussten befestigt, Straßen bepflanzt, Ruhebänke aufgestellt und Verbindungswege zu den Wäldern geschaffen werden. Ziel war es, den zahlreichen Kurgästen eine attraktive Umgebung für ihre täglichen Spaziergänge zu bieten. Der erste Schriftführer Fidel Kreuzer beschrieb später, dass der Verein eine „Riesenarbeit“ leisten musste, um aus dem damals eher schmucklosen Bauerndorf den aufstrebenden Kurort zu machen. Finanziell war das oft eine Herausforderung, denn die Mittel waren knapp. Dennoch gelang es den engagierten Bürgern, das Ortsbild nachhaltig zu prägen.
Die Aufgaben haben sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Während früher vor allem Wege und Anlagen geschaffen wurden, engagiert sich der Verschönerungsverein heute insbesondere für den Natur- und Landschaftsschutz sowie den Erhalt historischer Denkmäler. Rund 200 Mitglieder, so auch der Autor, unterstützen den Verein durch ihre Mitarbeit oder mit finanziellen Beiträgen. Dabei arbeitet der Verein häufig dort, wo öffentliche Mittel allein nicht ausreichen oder wo ehrenamtliches Engagement den entscheidenden Unterschied macht.
Wer mit offenen Augen durch Bad Wörishofen geht, begegnet den Spuren des Vereins immer wieder. Dazu gehören beispielsweise Ruhebänke an beliebten Spazierwegen, Maßnahmen zur Pflege und zum Erhalt von Aussichtspunkten sowie die Unterstützung bei der Restaurierung historischer Denkmäler. Auch Wanderwege und Naherholungsbereiche rund um Bad Wörishofen profitieren seit Jahrzehnten vom Engagement des Vereins.
Das jüngste Projekt ist die Restaurierung des Flurkreuzes am Leonhardshof. Dabei stellte sich heraus, dass es viel älter ist, als vermutet. Diese Tatsache wurde von Michael Scharpf anhand von historischen Fotos aus seiner persönlichen Sammlung recherchiert.
Das Engagement des Vereins trägt dazu bei, dass Bad Wörishofen auch heute eine Stadt bleibt, in der sich Einheimische ebenso wohlfühlen wie die vielen Gäste, die Jahr für Jahr wegen der Kneippschen Gesundheitslehre hierherkommen. Mein herzlicher Dank gilt allen Mitgliedern des Verschönerungsvereins. Sie zeigen seit Generationen, dass Heimat nicht nur verwaltet, sondern gestaltet wird – mit Zeit, Ideen und einer großen Portion ehrenamtlichem Einsatz.

Goggo 200 Lastenroller der Hans Glas GmbH, Dingolfing aus dem Jahre 1954. Ein Exemplar aus der privaten Goggo-Sammlung von Michael Scharpf




